Ostern 2026 – Ein Erlebnisbericht

Liebe Mino,

Vor einigen Wochen erlebte ich an einem Morgen etwas Sonderbares, das mich bewegte und mich veranlasste, euch zu schreiben und daran teilhaben zu lassen:

An einem friedlichen Morgen, da war ich in der Kirche. Es war ruhig und es herrschte eine friedliche, freudige Stimmung unter den Leuten und ein reger Betrieb. Alles sollte vorbereitet sein für das Fest. Doch plötzlich, ich wusste nicht, wie mir geschah, kehrte die Stimmung und ich stand inmitten einer tobenden Menge vor Pilatus, der scheinbar eine Verhandlung mit der Menge zu führen schien. «Was soll ich mit diesem Mann, eurem König, tun?», so etwas in der Art, rief er in die Menge. Wie auf Kommando schrien sie zur Antwort: «Kreuzige ihn!» Damit ich nicht auffiel, schrie ich mit: «Kreuzige ihn!» Pilatus gab ein Zeichen und so schnell wie es laut geworden war, verstummte die Menge auch wieder. Pilatus gewährte den Willen des Volkes; es schien mir, als tue er dies nur, um einen grösseren Aufstand zu vermeiden. Jedoch sprach er noch ein weiteres und letztes Wort: «Ich selbst habe an diesem Mann keine Schuld gefunden und wasche meine Hände in Unschuld.»

Dabei wurde mir mulmig zumute und ich wurde nachdenklich: Was habe ICH, was haben WIR getan?! Ich wollte nur noch weg, so lief ich ein Stück, bis ich an eine Strasse gelangte. Dort sah ich eine Frau mit ihren Kindern, die auf dem Heimweg waren. Im ganzen Getümmel konnte ich nur noch hören, wie eines ihrer Kinder erzählte: «Dieser Mann ist ganz anders als die anderen Verbrecher, er hat mir direkt in die Augen geschaut, voller Liebe und Güte…» Wie konnte das sein? Schwer getroffen davon wollte ich einfach nur noch weiter weg von dem ganzen Geschehen, weg aus dieser Menschenmasse. Und hoffte, niemand sah meine Tränen. Etwas ausserhalb des Geschehens, als wäre es nicht schon genug, begegnete mir ein Mann, dreckig und erschöpft, mit seinen zwei Söhnen. Auch sie schienen aufgewühlt und völlig vertieft in eine Diskussion, und was ich hörte, gefiel mir gar nicht: Der Mann, der gekreuzigt werden sollte, war grausamst gefoltert worden, sodass der Vater dieser zwei Söhne das Kreuz für ihn tragen musste. Und er behauptete, dieser Mann sei der Messias! Was, wenn das wirklich stimmte?!

So ging ich weiter, getrieben von dieser inneren Unruhe. Etwas spät realisierte ich: Der Weg, den ich eingeschlagen hatte, führte mich direkt zum Kreuz. Von Ferne sah ich den Hauptmann, der mit einigen aufgebrachten Priestern zu sprechen schien. Nun wollte ich doch etwas näher heran und wissen: Warum waren diese so verzweifelt und wütend? Gerade sie hatten doch gewollt, dass dieser Mann gekreuzigt wurde.

Was hörte ich da? Der Vorhang zum Allerheiligsten im Tempel war zerrissen?! Dazu behauptete der römische Hauptmann, unbeeindruckt von den Priestern, lautstark: «Das war Gottes Sohn, den ihr ans Kreuz nageln liesset.» Wie bitte?! Wie konnte das sein?

Tage später trieb es mich zu einem Garten, in dem das Grab des Gekreuzigten zu sein schien. Es war still und friedlich im Garten, als ich plötzlich ein Gekreische hörte und schnelle Schritte. Drei Frauen kamen zum Vorschein, völlig ausser Atem und in eine rege Diskussion vertieft, sodass sie mich gar nicht bemerkten. Scheinbar ging es gerade um den vermeintlichen Messias und was hörte ich da? Er ist verschwunden? Wie? Auferstanden?! Ich wollte nachfragen, was dies genau bedeuten sollte, als sie schon wieder kehrtmachten und Richtung Stadt davonrannten. Etwas liess mich nicht los und so rannte ich ihnen hinterher. Ich wollte der Sache auf den Grund gehen.

Nach einer Weile fand ich mich vor einem grossen Gebäude wieder, in dem die Frauen verschwunden waren. So folgte ich ihnen und klopfte an die Tür. Es wurde mir geöffnet und ich wurde freundlich hineingebeten. Es war ein reges Treiben im Gebäude, viele verschiedene Köstlichkeiten wurden aufgedeckt und wunderschön dekorierte Tische standen bereit, die dazu einluden, Platz zu nehmen. Irgendwann wurde es einen Moment still, jemand erhob sich und rief in die versammelte Gemeinde: «Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!» Und sofort antwortete die Gemeinde: «Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.» Damit ich nicht auffiel, rief ich mit: «Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden», diesmal jedoch kehrte Frieden in meinem Herzen ein. Dieser Mann war also wirklich Gottes Sohn und er lebt.

So schreibe ich diesen Gruss auch euch, liebe Mino, damit ihr genauso wie ich an dieser Freude teilhaben könnt. Der Herr ist auferstanden, ja, er ist wahrhaftig auferstanden! Friede sei mit euch allen. Seid lieb gegrüsst.

Eva